20.09.2026
Klimaziele unter Druck: Schwellenländer treiben Energieverbrauch
Die globale Energienachfrage steht laut einer neuen Analyse von S&P Global Energy vor einem grundlegenden Wandel.

Quelle: enerNEWS-Partner MBI Infosource

Bis 2060 könnte der Energiebedarf der Schwellen- und Entwicklungsländer (EMDEs) um mehr als 60 Prozent steigen – das entspricht zusätzlichen 155 Exajoule (EJ) oder ungefähr dem heutigen Primärenergieverbrauch Chinas. In den Industrieländern und China dürfte die Nachfrage dagegen langfristig weitgehend stagnieren. Gründe sind vor allem Elektrifizierung und höhere Energieeffizienz.

Der wachsende Bedarf der EMDEs wird nach Einschätzung von S&P Global dazu führen, dass neue CO₂-arme Energien vielfach zusätzlich zu bestehenden fossilen Quellen aufgebaut werden, statt diese vollständig zu ersetzen. Die Studie untersucht drei Szenarien bis 2060.

Im ambitioniertesten "Emissions Reduction Pathway" bleibt eine Begrenzung der Erwärmung auf 2 °C möglich. Dafür müssten Solar- und Windkapazitäten weltweit um das Achtfache, in den EMDEs sogar um das 18-Fache steigen. Erneuerbare Energien müssten 2060 rund 73 Prozent des weltweiten Stroms liefern, die Batteriespeicherkapazität müsste sich 25-fach erhöhen. Die Treibhausgasemissionen würden im Vergleich mit heute um 65 Prozent sinken.

Im wahrscheinlicheren "Current Realities Pathway" gehen die Emissionen dagegen nur um 17 Prozent zurück; die globale Erwärmung würde bis 2100 rund 2,8 °C erreichen. Ein Zwischenpfad kommt auf 2,5 °C. Das 1,5-Grad-Ziel sei laut Studie unter keiner plausiblen Entwicklung erreichbar, ein globales Netto-Null-Ziel vor Ende des Jahrhunderts unwahrscheinlich.

Die Dekarbonisierung des Stromsystems erfordert enorme Investitionen. Bis 2060 wären weltweit rund 50 Billionen US-Dollar für Erzeugung, Speicher sowie Übertragungs- und Verteilnetze nötig. Der Stromverbrauch würde sich auf mehr als 60.000 TWh verdoppeln. Gleichzeitig bleiben Schwerindustrie sowie Luft- und Schifffahrt schwer elektrifizierbar. Im Straßenverkehr mit mittleren und schweren Nutzfahrzeugen liegt der Stromanteil am Energieverbrauch 2060 in allen Szenarien unter 30 Prozent.

Auch fossile Energien bleiben relevant. Im 2-Grad-Szenario sinkt der Ölverbrauch um mehr als 40 Prozent auf knapp 60 Millionen Barrel pro Tag, dennoch werden bis 2060 mehr als 11 Billionen Dollar upstream investiert. Im "Current Realities Pathway" steigt der Gasverbrauch um 35 Prozent; die erforderlichen Investitionen in Öl und Gas summieren sich auf knapp 14 Billionen Dollar.

MBI/sir/17.9.2026

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