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13.08.2025
Atommüll: Verbände fordern Realismus ein
Der 31. Oktober 1957 markiert für Deutschland ein wichtiges Datum: In Garching bei München wurde der erste Atomreaktor, das sogenannte Garchinger Atom-Ei, in Betrieb genommen.
Quelle: enerNEWS-Partner ASEW
Bis zum 15. April 2023 um 23.59 Uhr, als das Kraftwerk Neckarwestheim 2 vom Netz ging, erzeugten zeitweise 110 kerntechnische Anlagen in Deutschland Energie aus Kernspaltung.
Bedauerlicherweise erzeugten die Anlagen auch ein Nebenprodukt: Strahlenden Müll. Auch beim Rückbau der Anlagen entsteht weiterer Atommüll, so dass gemäß der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) bis 2080 rund 10.100 Tonnen hochradioaktiver Abfälle aus Brennelementen sowie 3.836 sogenannten Kokillen (verglaste Abfälle aus der Wiederaufbereitung) in Deutschland anfallen. Für diese wird aktuell ein Endlager gesucht, wo der Atommüll bis zu einer Million Jahre lang sicher gelagert werden kann.
Und diese laufende Suche wird sich wohl deutlich länger ziehen: Nach den gegenwärtigen Prognosen könnte die Suche irgendwann zwischen 2046 und 2074 abgeschlossen werden. Das heißt, dann wäre nur der Standort ausgewählt. Das Endlager müsste anschließend auch noch geplant, genehmigt und gebaut werden. Ursprünglich war geplant, mit der Endlagerung des deutschen Atommülls ab 2031 zu beginnen.
Deshalb fordert ein Verbändebündnis, die Lagerung für radioaktive Abfälle endlich langfristig zu lösen. In einer gemeinsamen Stellungnahme kritisieren sie, dass das Nationale Entsorgungsprogramm ungelöste Fragen und vorhandene Probleme im Umgang mit den radioaktiven Abfällen weitgehend ausblende. „Lecke Atommüllfässer kommen ebenso wenig vor wie Brennelemente-Zwischenlager ohne Genehmigung“.
Das Verbändebündnis fordert ein umfassendes Konzept, das die Probleme der Lagerung anerkennt und mit der Suche nach Lösungen beginnt. So wird u.a. gefordert, dass umgehend ein Standortauswahlverfahren für die tiefengeologische Lagerung aller schwach- und mittelradioaktive Abfälle eingeleitet wird – nicht erst in den 2050er Jahren wie derzeit vorgesehen.
Auch die Zwischenlagerung müsse dringend überholt und an verlängerte Lagerungsdauer, erhöhte Sicherheitsanforderungen und sich verschärfende Bedrohungslagen angepasst werden. Zwischenlagerung ohne Genehmigung sei umgehend zu beenden und die Atomfabriken in Lingen und Gronau zu schließen.
Die Organisationen kritisieren auch, dass für schwach- und mittelradioaktive Abfälle zu niedrige Maßstäbe angesetzt werden. Als Beispiel dient das Bergwerk Schacht Konrad in Salzgitter, das die Anforderungen an ein Endlager nicht erfülle.
Der BUND-Expertin für Atompolitik Juliane Dickel zufolge setze die Bundesregierung, „[s]tatt ein solides Gesamtkonzept zu erarbeiten, [...] in ihrem Atommüll-Entsorgungsprogramm auf ein Weiter-So. Dabei gehen aktuelle Zeitabschätzungen davon aus, dass der Müll noch sehr lange oberirdisch zwischengelagert werden muss“. Die Bundesregierung müsse jetzt alle Fragen für ein bundesweites tragfähiges Atommüll-Gesamtkonzept auf den Tisch legen und sie gemeinsam mit den Betroffenen diskutieren. „Der Schutz vor radioaktiver Strahlung muss oberste Priorität erhalten.“
Deutschland ist über die EU verpflichtet, alle 10 Jahre ein aktualisiertes Nationales Entsorgungsprogramm vorzulegen, das aufschlüsselt, wie der nationale Atommüll entsorgt werden soll. Die erste Aktualisierung steht in diesem Jahr an.
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