21.09.2025
E-Mobilität: Großes Potenzial für Stromnetz
Elektroautos könnten künftig ein noch wichtigerer Baustein der Energiewende im Strombereich werden. Ihre Fähigkeit zur Ein- und Ausspeicherung von Strom, sprich bidirektionales Laden, könnte helfen, den Einsatz von Erdgaskraftwerken deutlich zu reduzieren.

Quelle: enerNEWS-Partner ASEW

Darauf weist der Energiekonzern E.ON in einer Analyse hin. Demnach sind in Deutschland derzeit bereits über 225.000 der insgesamt rund 1,7 Millionen E‑Fahrzeuge grundsätzlich technisch dazu fähig („bidi-ready“).

Geht man davon aus, dass 60 Prozent der Batteriekapazität dieser Fahrzeuge flexibel genutzt werden können, ergibt sich ein kurzfristig nutzbares Speichervolumen von knapp acht Gigawattstunden. Damit könnten rechnerisch 2,5 Millionen Haushalte in Deutschland zwölf Stunden lang über Nacht (d.h. von 17.30 bis 05.30 Uhr) mit Strom versorgt werden. 

Laut dem E.ON-Vertriebschef Filip Thon entspricht diese Leistung „der von knapp zweieinhalb großen Gaskraftwerken, die in dieser Zeit stillstehen könnten“. Wolle man nur die typische Abend-Stromspitze (zwischen 17.30 und 22.30 Uhr) abdecken, könnten die bidi-geeigneten E‑Autos zusammen sogar Strom für etwa 4,2 Millionen Haushalte liefern, was dann etwa fünfeinhalb großen Gaskraftwerken entspräche.

Ein einzelnes Auto mit einer Akkukapazität von rund 65 Kilowattstunden könnte in dieser Zeitspanne durchschnittlich elf Haushalte versorgen, für die fünf Stunden der Abendspitze sogar bis zu 19. 

Auf Bundesländerebene ist das Potenzial besonders stark in Nordrhein-Westfalen, Bayern und Niedersachsen. Dort sind die meisten Fahrzeuge mit der Technologie zugelassen. Die rund 46.000 nordrhein-westfälischen bidi-ready-Akkus könnten etwa eine halbe Million Haushalte über Nacht versorgen, die bayerischen über 38.000 entsprechenden Fahrzeuge fast 430.000 Haushalte, die niedersächsischen knapp 33.000 etwa 367.000 Haushalte.

Auch in Bezug auf den Klimaschutz hätte eine solche Nutzung eine positive Wirkung. Bei jährlich 200 Teilentladezyklen mit 60 Prozent Akkunutzung könnten laut E.ON rund 238 Millionen Kubikmeter Erdgas eingespart werden. Das würde rund 500.000 Tonnen CO2 vermeiden. 

Hürden für eine flächendeckende Umsetzung sind vor allem fehlende zertifizierte Wallboxen und Systemkomponenten, die eine sichere Rückspeisung ermöglichen. Auch die regulatorischen Rahmenbedingungen sind noch nicht geklärt.

Für die E-Autobesitzer ist zudem entscheidend, ob sich eine solche Einbindung in das Stromsystem wirtschaftlich lohnt. Pilotprojekte wie „Bi-clever“ von E.ON zeigten, dass Einnahmen von mehreren Hundert Euro pro Jahr möglich wären. 

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