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20.10.2025
Wasserstoff: Viel Aufwand für wenig Ertrag
Wüsten(länder) spielen in den Zukunftsprojektionen der deutschen Energiepolitik eine durchaus maßgebliche Rolle.
Quelle: enerNEWS-Partner ASEW
So soll etwa in der dem ganzen Land den Namen gebenden Namib mithilfe neuer Solar- und Windkraftwerke Strom erzeugt werden, der fast komplett einem Zweck dienen soll: Wasserstoff zu erzeugen, der nach Deutschland exportiert werden kann.
Doch gerade dieses mit vielen Hoffnungen verbundene und mit viel Vorschusslorbeer versehene Projekt musste nun einen deutlichen Rückschlag verkraften: Die deutsche RWE zieht sich aus dem Hyphen-Projekt, das ab 2027 jährlich 300.000 Tonnen grünes Ammoniak liefern sollte, zurück. Es ist auch eine Niederlage für die amtierende Bundeswirtschaftsministerin: Katherina Reiche hat als Vorsitzende des Nationalen Wasserstoffrats die deutsche Wasserstoff-Strategie entscheidend mitgeschrieben.
RWE begründete die Entscheidung unter anderem damit, dass sich die Nachfrage nach Wasserstoff und Derivaten „in Europa langsamer als erwartet“ entwickelt. Immerhin will die EU mit dem Programm „RePowerEU“ zehn Millionen Tonnen Wasserstoff klimaneutral in der EU produzieren und weitere zehn Millionen Tonnen grünem Wasserstoffs im Rest der Welt einkaufen.
Die Hersteller von Elektrolyseuren haben dabei durchaus ihre Ausaufgaben gemacht. Bis Ende 2024 ist die europäische Produktionskapazität für Elektrolyseure auf 10,4 Gigawatt pro Jahr gestiegen. Dies hat dafür gesorgt, dass die Verfügbarkeit von Elektrolyseuren nicht mehr als Hindernis für den Ausbau der Wasserstoffwirtschaft angesehen wird.
Indes, so Werner Ponikwar, Chef von Thyssenkrupp Nucera, dem weltweit führenden Hersteller von Elektrolyse-Anlagen, liege, „[o]bwohl Europa nun über eine deutlich gestiegen Produktionskapazität verfüge, die aktuelle Nachfrage innerhalb des Kontinents unter 1 Gigawatt pro Jahr.“ Das Ungleichgewicht sei enorm, ein erheblicher Teil der Industrie nicht ausgelastet.
Warum ist das so? Viele Wasserstoffprojekte kommen einfach zu langsam voran. Außerdem hätten laut Ponikwar weniger Projekte als erwartet die endgültige Investitionsentscheidung erreicht. Vorschriften wie jene, dass ausschließlich grüner Strom zur Herstellung von grünem Wasserstoff genutzt werden darf, seien durchaus eine Hürde. Außerdem krankt es vor allem noch an der Infrastruktur. Selbst mit einem nationalen Wasserstoff-Kernnetz fehlen Zuflüsse aus den Nachbarländern. Es bedürfe eines weitverzweigten Pipelinnetzes.
Das wichtigste Projekt hierbei ist der sogenannte European Hydrogen Backbone. Dessen Bau wollen Algerien, Tunesien, Österreich, Deutschland und Italien stemmen. Knapp 4 000 Kilometer Pipeline müssen dafür realisiert werden, teilweise unter dem Mittelmeer. Ein großes Problem hierbei: Die vorgesehenen Produktionsländer Algerien und Tunesien räumen ein, dass sie wohl nicht in der Lage sind, Wasserstoff in nennenswerten Mengen herzustellen, wenn die Pipeline 2030 in Betrieb gehen soll.
Eine weitere Herausforderung sind die Transportkosten. Wasserstoff benötigt beim Transport mehr Energie als Erdgas. Laut dem Chefredakteur der US-Website Clean Technica, Zachary Shahan, stiegen, würde Algerien seine Erdgasexporte über die vorhandene Maghreb-Europa-Pipeline durch Wasserstoff ersetzen, die geschätzten jährlichen Transportkosten von 1,54 auf 4,71 Milliarden Euro.
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