02.11.2025
Zukunft der Gasnetze: Ein Fünftel will Rückbau
Wie sieht die Zukunft der deutschen Erdgasnetze aus? Bei einer Umfrage des Magazins Kommunal gaben 19 Prozent aller Kommunen an, ihre Gasnetze bis spätestens 2045 stilllegen zu wollen. Weitere 46 Prozent haben noch nicht entschieden, ob sie es ab- oder umrüsten. Nur acht Prozent gaben an, Pläne zu haben, um es mit Ökogas weiterzubetreiben.

Quelle: enerNEWS-Partner ASEW

Die Zahl der, zumal größeren, Kommunen, die einen kompletten Rückbau planen, hat in den letzten Jahren zugenommen. Primus war dabei Mannheim, es folgten Augsburg, Würzburg und Hannover, die bis 2040 die Gasverteilung beenden wollen, sowie München und Regensburg, die spätestens 2045 ohne Erdgasleitungen auskommen wollen.

Bis spätestens 2028 muss jede Gemeinde in Deutschland eine kommunale Wärmeplanung veröffentlichen und damit auch über die Zukunft bestehender Gasnetze entscheiden. Für Verbraucher bedeutet das, dass die Zeit des netzbasierten Heizens mit Erdgas begrenzt ist.

Dabei geht es nicht um Peanuts: Rund 550.000 Kilometer Erdgasleitungen ziehen sich kreuz und quer durch Deutschland. 2024 wurden über dieses System 844 Terawattstunden Erdgas verteilt. Private Haushalte und Gewerbe machen dabei einen Anteil von rund 39 Prozent aus. 

Wenn jedoch immer weniger Kunden über dieses System mit Erdgas versorgt werden, bedeutet das, dass die Unterhaltskosten in Form der Netzentgelte auf einen immer weiter schrumpfenden Kreis von Menschen umgelegt werden müssen. Die Folge: Die Netzentgelte steigen immer weiter.

Doch darf ein Erdgasversorger eigentlich einseitig den Liefervertrag aufkündigen? Normalerweise erlaubt das Vertragsrecht dies nicht. Jedoch hat die EU Ende 2023 beschlossen, dass Energieversorger nicht nur diese Verträge, sondern auch die Anschlüsse kündigen dürfen, um Klimaziele einzuhalten. Voraussetzung ist ein staatlich genehmigter Netzstilllegungsplan.

Jedoch: Deutschland hat diese Richtlinie bis heute nicht in nationales Recht umgesetzt, obwohl Energieverbände dies eindringlich fordern. 

Ist Wasserstoff eine Lösung, um die Erdgasnetze zu erhalten? Jein, denn Wasserstoff hat andere chemische und physikalische Eigenschaften als Erdgas. So könnte reiner Wasserstoff Bauteile des Gasnetzes beschädigen. Besonders Stahlrohre sind anfällig. Vor einem Einsatz von reinem Wasserstoff müsste deswegen jeder Leitungskilometer in Deutschland überprüft und gegebenenfalls ausgetauscht werden. Auch die Speicher und Verteilstationen müssten umgebaut werden, weil Wasserstoff unter anderen Druckbedingungen gelagert und transportiert werden muss. 

Die Crux dabei ist auch eine geringere Effizienz. Wie das Münchner Umweltinstitut vorrechnet, ergibt ein Volumenanteil von zehn Prozent Wasserstoff nur einen energetischen Anteil von 3,4 Prozent. Zudem gingen 30 Prozent der eingesetzten Energie schon bei der Herstellung von grünem Wasserstoff verloren. Wesentlich effektiver ist es daher, die erneuerbare Energie direkt zum Heizen zu benutzen – etwa in Form von Wärmepumpen. 

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