09.11.2025
Monopolkommission: Neuordnung des Stromsystems nötig
Die Monopolkommission schlägt vor, das Stromsystem in Deutschland grundsätzlich zu verändern. Das geht aus einem Gutachten des Beratungsgremiums für Wettbewerb hervor, das die Mitglieder Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche übergaben.

Quelle: enerNEWS-Partner ASEW

Die Leitfrage des Gutachtens war, wie Deutschland die Energiewende effizient organisieren kann. Das größte Problem dabei bleibt die volatile, nur teilweise planbare Erzeugung. Dies lässt sich zwar mit der Inegratrion von Speichern in das Stromnetz ausgleichen, davon gibt es aber noch zu wenige und sie sind teuer. 

Die Monopolkommission empfiehlt deshalb eine Verbrauchssteuerung durch Anreize. Selbige müsse die Politik schaffen, damit Unternehmen und Haushalte dann Strom nutzen, wenn zu viel zur Verfügung steht und das Netz zu überlasten droht. Klare Preissignale könnten ein Weg dahin sein. Laut dem Vorsitzenden der Monopolkommission Tomaso Duso, so im „Handelsblatt“, sei die Richtung der Bundesregierung „bislang [...] nicht schlecht, aber wenn es konkret wird, wird sie noch einiges beweisen müssen.“ 

Berlin müsse dringend mehr Effizienz in die Energiewende kriegen. Dafür bestünden grundsätzlich drei Optionen: Theoretisch am besten wären nodale Preise. Dabei würde an jedem Knotenpunkt des Stromnetzes ein individueller Preis für jede Einheit des Stroms bestimmt. Das ist praktisch aber noch nicht möglich.

Dann gebe es die Möglichkeit, stärkere Preissignale durch unterschiedliche Preiszonen zu setzen. Vor allem die Nord-Bundesländer fordern das, für sie würden dadurch die Preise sinken. Die Süd-Bundesländer hingegen sind davon keine Freunde, denn sie müssten höhere Preise zahlen. Hierfür sieht die Monopolkommission wenig Hoffnung, da die Debatte politisch verfahren sei. 

Auch deshalb schlägt das Gutachten eine dritte Lösung vor: eine Reform der Netzentgelte. Diese werden bislang erhoben, um Betrieb und Investitionen der Stromnetze zu finanzieren. Die Monopolkommission schlägt vor, sie als Mittel zu nutzen, um Unternehmen und Haushalte zu einem flexibleren Stromverbrauch anzureizen. „Dynamische“ Netzentgelte würden die prognostizierte Last im Netz in 15-Minuten-Intervallen abbilden. Bei hoher Netzlast wäre Strom besonders billig. Auch negative Preise sollten möglich sein. Bei geringer Netzlast sollte der Verzicht durch hohe Preise angereizt werden.
 
Um ein solches System zu ermöglichen, müsste das ganze System aber zuerst noch digitalisiert werden. Bislang ist das bis 2032 geplant. Die Monopolkommission will das beschleunigen und schlägt vor, die Anschaffung moderner Messeinrichtung zu entbürokratisieren.

Für die Zwischenzeit hat die Kommission auch einen Vorschlag: Die Netzentgelte könnten statisch variabel sein. Dafür könnten bestimmte Stunden des Tages auf Basis typischer Netzauslastung definiert werden. Ist die Netzauslastung zu einem bestimmten Zeitpunkt typischerweise hoch, wäre der Strom dann günstiger.

Die Monopolkommission appelliert an den Bund: „Traut euch da ran! Wir haben euch einen Weg gezeigt, der politisch umsetzbar ist, auch wenn er einigen wehtut.“ Letztlich sei Nichthandeln aber schmerzhafter: „Das würde die Energiewende wohl scheitern lassen.“

Mit den Vorschlägen ließe sich ein signifikanter Teil der Systemkosten einsparen, die allein bis zu zehn Prozent der Kosten der Energiewende ausmachen können. Weitere Einsparungen würden bei den Redispatch-Kosten entstehen, die bis 2035 auf acht Milliarden Euro jährlich steigen könnten. 

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