09.11.2025
BMW mahnt: Europa droht Wasserstofftechnologie an China zu verlieren
Jürgen Guldner, Leiter des Wasserstoffprogramms bei BMW, erläutert im Gespräch mit Euractiv, warum Europa die Technologie noch nicht aufgeben sollte.

Quelle: enerNEWS-Partner Euractiv

Politische Entscheidungsträger in Europa sollten die Bedeutung von wasserstoffbetriebener Mobilität stärker anerkennen – andernfalls drohe der Kontinent, im globalen Wettbewerb gegenüber China und anderen Herstellern zurückzufallen. Das sagte Jürgen Guldner, Leiter des Wasserstoff-Technologieprogramms beim Münchner Autobauer BMW, im Gespräch mit Euractiv.

„Viele Komponenten, die die Zulieferindustrie heute für Verbrennungsmotoren herstellt, lassen sich problemlos auf Wasserstofftechnologie übertragen“, erklärte Guldner am Montag. Europäische Unternehmen hätten bereits in Wasserstoff investiert und seien bereit, die Produktion auszuweiten.

„Aber wenn die Skalierung nicht gelingt, wird diese Technologie irgendwann nicht mehr in Europa existieren“, warnte er. „Das ist im Moment das größte Risiko.“

Neben japanischen Herstellern wie Toyota und Honda sowie dem südkoreanischen Konzern Hyundai sieht Guldner vor allem China als ernsthaften Konkurrenten. Das Land sei bereits Weltmarktführer bei Solarmodulen, Elektroautos und kritischen Rohstoffen – und beginne nun, auch bei Wasserstofftechnologien Tempo zu machen.

„China hat, soweit wir sehen, bereits mit der Skalierung begonnen“, so Guldner. Das könne rasch zu Kostenvorteilen führen – und damit zu einem entscheidenden Vorsprung im Rennen um marktfähige Wasserstofffahrzeuge.

„Das Zeitfenster schließt sich – und zwar schnell“, mahnte er.

Widersprüchliche Ziele

BMW gehört zur „Global Hydrogen Mobility Alliance“, einem Zusammenschluss von Unternehmen, die Brüssel auffordern, nicht ausschließlich auf batterieelektrische Fahrzeuge zu setzen. Die Allianz argumentiert, dass ein paralleler Ausbau von Wasserstofftechnologien hunderte Milliarden Euro an Infrastrukturkosten einsparen und die Abhängigkeit von kritischen Mineralien sowie Batterierohstoffen verringern könnte.

Doch der Markt für Brennstoffzellenfahrzeuge und das Tankstellennetz wachsen in Europa bislang nur schleppend. Die Allianz betont deshalb, der Kontinent könne es sich nicht leisten, auf den großflächigen Ausbau von „grünem“, also erneuerbar produziertem, Wasserstoff zu warten.

Um den Markt anzukurbeln, solle kurzfristig auch Wasserstoff aus fossilen Quellen – also „grauer“ Wasserstoff – eingesetzt werden, selbst wenn dessen Produktion große Mengen CO₂ verursacht.

Guldner verteidigt diesen Ansatz: Die Einführung wasserstoffbetriebener Fahrzeuge müsse von der vollständigen Dekarbonisierung der Wasserstoffproduktion entkoppelt werden.

„Die wichtigste Botschaft hierbei ist, dass wir die Einführung von Wasserstoff in der Mobilität, also die Verbreitung von Wasserstofffahrzeugen, und die Ökologisierung der Wasserstoffproduktion voneinander trennen sollten“, sagte der BMW-Manager. Schließlich habe Europa dasselbe mit Elektroautos getan, die teilweise mit Strom aus Kohle und Gas betrieben werden, sagte er.

Nicht alle in der Branche teilen BMWs Optimismus. Der Autokonzern Stellantis hat sein Programm zur Entwicklung von Wasserstoff-Transportern kürzlich eingestellt – mit der Begründung, der Markt habe „keine mittelfristige wirtschaftliche Perspektive“.

BMW hingegen bereitet die Einführung eines wasserstoffbetriebenen SUV für das Jahr 2028 vor – um die Technologie bereitzuhalten, falls das Kundeninteresse wächst.

Technologieoffenheit statt Verbrennerverbot

Während BMW parallel seine Elektroflotte ausbaut und an Wasserstoffantrieben arbeitet, gehört der Konzern dennoch zu jenen europäischen Herstellern, die sich gegen das EU-Verbot für Neuwagen mit Verbrennungsmotor ab 2035 stemmen.

Diese Frist kommt einem De-facto-Verbot von Benzin- und Dieselautos gleich und wurde mit der klaren Absicht festgelegt, einerseits Investitionen in saubere Mobilität anzukurbeln und andererseits sicherzustellen, dass die Nachfrage folgt.

Einige sind jedoch nach wie vor der Meinung, dass der Verbrennungsmotor in Europa eine Zukunft hat. „Die Botschaft lautet eigentlich Technologieneutralität, und anstatt eine Technologie zu verbieten, sollten wir alle verfügbaren Technologien zur Dekarbonisierung nutzen“, so Guldner.

Kritiker warnen jedoch, dass eine Aufweichung des Verbrennerausstiegs die Investitionsbereitschaft von Herstellern, Staaten und Verbrauchern in saubere Mobilität schwächen würde.

*Das Interview wurde auf Englisch geführt und ins Deutsche übersetzt.

(rh, jl)

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