14.12.2025
Energiewende: Drosselung könnte sehr teuer werden
Eine langsamere Energiewende könnte die EU bis 2050 rund 1,6 Billionen Euro mehr kosten als das Fortschreiten auf dem bisherigen konsequenter Ausbau-Weg.

Quelle: enerNEWS-Partner ASEW

Das geht aus der Analyse „Delivering a cost-effective energy system for Europe“ von WindEurope und Hitachi Energy hervor. 

Danach ist ein verlangsamter Übergang kein Weg, um Kosten zu stabilisieren oder gar zu senden – sondern die teuerste aller Optionen. In der Analyse werden verschiedene Wege zum klimaneutralen Energiesystem 2050, darunter ein ambitioniertes Erneuerbaren-Szenario („Renewables+“) und einen gebremsten Pfad („Slow Transition“), als Modelle durchgespielt.

Eine gedrosselte Energiewende würde demzufolge bis Mitte des Jahrhunderts 1,637 Billionen Euro zusätzliche Gesamtsystemkosten verursachen. Darunter fallen nicht nur direkte Investitionen in neue grüne Energieerzeugungsanlagen, sondern sämtliche Kosten eines Energiesystems, sprich Netze, Speicher, Wasserstoffinfrastruktur, fossile Im- und Exporte, Transformation von Industrie, Wärme und Verkehr sowie Betriebskosten über Jahrzehnte hinweg.

Der enorme Kostenblock summiert sich vor allem durch die fortbestehrende Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen und die Notwendigkeit, diese gegen Devisen aus dem Ausland zu importieren. Während Europa im Renewables+-Szenario seine Importquote bis 2050 auf ungefähr 22 Prozent senkt, liegt sie im Slow-Transition-Pfad noch immer bei rund 54 Prozent. 

Ökonomisch entscheidend sei, wie viel Geld Europa bis 2050 in fossile Importe, Reservekraftwerke und Verzögerungseffekte investiere. Die Mehrkosten eines verlangsamten Ausbaus übersteigen heutige Netzengpasskosten um ein Vielfaches.

Bemerkenswert ist ein weiterer Befund: Im Slow-Transition-Pfad steigt der Bedarf an Reservekapazitäten sogar stärker als im Erneuerbaren-Szenario. Das liegt an der geringeren Flexibilität fossiler Kraftwerke und an einer dauerhaft höheren Importabhängigkeit. Die politische Erzählung, ein langsamer Ausbau verbessere die Versorgungssicherheit, wird damit wissenschaftlich nicht gestützt – im Gegenteil. 

WindEurope and Hitachi Energy geben zudem zu bedenken, dass ein auf erneuerbare Energien fokussiertes Energiesystem weniger anfällig für externe Störungen ist. Außerdem gibt es positive Effekte für den Arbeitsmarkt: Allein der europäische Windenergiesektor beschäftigt heute 440.000 Menschen und könnte bis 2030 auf einen Umfang von 600.000 Arbeitsplätzen wachsen.

Der Umbau der Energiesysteme in Europa sei zudem aktuell im Gange. Während im Jahr 2000 Wind- und Solarenergie weniger als ein Prozent der Stromproduktion usmachten, stehen sie heute europaweit für 30 Prozent. Im selben Zeitraum sind die Treibhausgasemissionen der EU um fast ein Drittel gesunken und die europäische Wirtschaft ist um 45 Prozent gewachsen. 

Zur Studie „Delivering a cost-effective energy system for Europe“

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