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12.03.2026
Atomkraft: Deutschland contra EU
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat sich vom Atomausstieg distanziert. Die Abkehr von Atomkraft nannte sie auf einem Atomenergie-Gipfel nahe Paris einen „strategischen Fehler“.
Quelle: enerNEWS-Partner ASEW
Zugleich kündigte von der Leyen künftige Risikoabsicherungen der EU in Höhe von 200 Millionen Euro für private Geldgeber an, die in Atomtechnik investieren.
Die Mittel dafür sollen aus dem EU-Emissionshandel erwirtschaft werden. Zuvor hatte der französische Staatspräsident Emmanuel Macron neue Finanzierungsmöglichkeiten für den Ausbau von Atomenergie gefordert. „Wir müssen es schaffen, diese Projekte besser zu finanzieren, sowohl konventionelle als auch innovative Atomvorhaben“.
Laut Macron müssten EU-weit staatliche Hilfen und Fördermechanismen verbessert werden, „um den Erfolg neuer Nuklearvorhaben ebenso sicherzustellen wie den der erneuerbaren Energien“. Der französische Staatspräsident wiederholte damit erneut seine Forderung, Atomenergie und erneuerbare Energien gleichzustellen. „Wir brauchen die Atomenergie, weil sie eine Quelle von Fortschritt, Wohlstand und Unabhängigkeit ist“.
Vor allem müsse mehr in die Entwicklung sogenannter kleiner, modularer Atomreaktoren (SMR – small modular reactors) investiert werden. „Unsere amerikanischen Freunde, die Kanadier und Chinesen sind bei diesen Innovationen an vorderster Front, die Europäer müssen im Rennen bleiben“.
Macron plädierte zudem für eine bessere grenzüberschreitende Zusammenarbeit. „Wir brauchen einen Markt für den freien Verkehr von kohlenstofffreien Elektronen“. Dabei sei es egal, ob der Strom mit Offshore-Windenergie in Belgien, mit Solarenergie in Griechenland oder mit Atomenergie in Frankreich erzeugt werde.
An dem Atomenergie-Gipfel nahmen Vertreter von etwa 40 Staaten und Organisationen teil, unter ihnen neun Staats- und Regierungschefs, unter anderem aus Ruanda, Marokko und Belgien. Deutschland war nicht vertreten.
Die Bundesrepublik reagierte indes mit einer Festlegung von Bundesumweltminister Carsten Schneider. Der Bundesumweltminister bezog sich vor allem auf die Risiken, die nur durch massive staatliche Garantien abgefangen würden: „Es spricht Bände, dass der Kern dieser rückwärtsgewandten Strategie aus neuen Subventionen für Atomkraftwerke besteht. Wenn eine Risiko-Technologie nach einem dreiviertel Jahrhundert noch immer am staatlichen Tropf hängt und es längst bessere Alternativen gibt, sollte man daraus Konsequenzen ziehen. Stattdessen noch mehr Steuergeld für neue Risikoreaktoren auszugeben, lehne ich ab.“
Um nennenswert neue Reaktoren zu errichten, müsste sehr viel Geld in die Hand genommen werden, das dann anderer Stelle fehle. Auch gab Schneider zu bedenken, dass die SMR-Technologie schon seit Jahrzehnten angekündigt werde, den Durchbruch aber nicht schaffe; sie ringe stattdessen um Subventionen. „Auch wenn die Anlagen kleiner werden, werden die Probleme in der Summe größer.“
Sauberer und ungefährlicher Strom aus Wind und Sonne sei längst günstiger, treibe die Energiewende an und produziere keinen strahlenden Müll. Für Deutschland gelte nach wie vor: „Statt auf eine nukleare Fata Morgana setzen wir auf bessere, sicherere und günstigere Alternativen. Unser Land ist dank des Atomausstiegs ein ganzes Stück sicherer geworden. Der vor 15 Jahren erreichte Atomkonsens hat unserem Land gutgetan, das sollten wir nicht leichtfertig aufs Spiel setzen.“
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