15.04.2026
Die Luftfahrtlobby fordert die Europäische Union auf, die CO2-Bepreisung auszusetzen und Kerosin gemeinsam einzukaufen.
Mögliche Engpässe bei Flugkraftstoffen aufgrund des Krieges im Iran sind für die Europäische Kommission ein „Hauptanliegen“ – und für die Fluggesellschaften ein Anlass, die Klimapolitik der EU erneut anzugreifen.

Quelle: enerNEWS-Partner EURACTIV

Den europäischen Fluggesellschaften gehe der Treibstoff zwar noch nicht aus, doch könnten sie „in naher Zukunft“ mit Kerosinengpässen konfrontiert sein, erklärte die Sprecherin der EU-Kommission für Energiepolitik, Anna-Kaisa Itkonen, am Dienstag. Bei einem Gespräch mit Reportern in Brüssel versuchte die Kommissionsbeamtin eher zu beruhigen, als Alarm zu schlagen.

Die Rohölversorgung der EU-Raffinerien sei „stabil“ und es bestehe „derzeit kein Bedarf an zusätzlichen Freigaben aus den Vorräten“, sagte Itkonen. Die heimischen Raffinerien seien in der Lage, etwa 70 % des Kerosinbedarfs der Union zu decken, fügte sie hinzu.

„Unsere Aufgabe und unsere Rolle bestehen derzeit darin, zu koordinieren und ein umfassendes Lagebild sowie Echtzeitinformationen über die Situation zu sammeln. Aus diesem Grund berufen wir nun wöchentlich Koordinierungsgruppen für Öl und Gas ein“, sagte Itkonen.

Fluggesellschaften drängen bereits auf Maßnahmen

Europäische Fluggesellschaften drängen jedoch bereits auf Maßnahmen und Zugeständnisse aus Brüssel. Der Branchenverband Airlines for Europe (A4E) – zu dessen Mitgliedern große Namen wie Ryanair, Lufthansa und Air France-KLM gehören – hat bereits eine Plattform für gemeinsame Verhandlungen und den gemeinsamen Einkauf von Kerosin gefordert, ein Ansatz, den die EU zuvor für Erdgas genutzt hat und nun auf kritische Rohstoffe anwendet.

Die Lobbygruppe fordert zudem ein Gesetz, das europäische Länder dazu verpflichtet, gezielt Flugbenzin zu horten, wie dies bereits für Öl und Gas vorgeschrieben ist.

Darüber hinaus nutzt A4E die jüngsten geopolitischen Turbulenzen, um ihren Angriff auf zentrale europäische Maßnahmen zur Energiewende zu verstärken, wie beispielsweise das Emissionshandelssystem (ETS), das Umweltverschmutzer – einschließlich Betreiber von Inlandsflügen – dazu verpflichtet, für jede Tonne CO2 zu zahlen, die sie in die Atmosphäre ausstoßen.

„Emissionshandelssystem vorübergehend aussetzen“

Die Union sollte das „Emissionshandelssystem vorübergehend aussetzen“, erklärte ein Sprecher der Gruppe in einer Stellungnahme. Die Luftfahrtlobby fordert zudem eine Senkung und Begrenzung der Preise für Emissionszertifikate, „um Preisschwankungen entgegenzuwirken“.

Die EU sollte zudem vorübergehend die gesamte Preisdifferenz zwischen fossilem Kerosin und den nachhaltigen Flugkraftstoffen (SAFs) erstatten, zu deren Verwendung in geringen, aber schrittweise steigenden Mengen die Fluggesellschaften gesetzlich verpflichtet sind, so A4E.

(rh)

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